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Endoderm
   
  Die Objekte mit ihren Öffnungen und versteckten Innenräumen rühren an den urtümlich menschlichen Forscherdrang, spielen mit dem Reiz des Verborgenen und locken zu einer visuellen Reise in unbekanntes Gebiet. Ein kurzes Innehalten während der Blick durch den ungewohnten Raum wandert, führt weg vom hektischen Alltag, transformiert. Die Entdeckerfreude vermag zu erfrischen.

Der organische Innenraum verlangt nach äusserer Gestalt und bildet mit ihr eine abgrenzende Haut. Im Zusammenspiel dieser drei Elemente entstanden vier Objekt-Gruppen die sich bedingen:

Die architekturalen weissen Kuben öffnen sich in schattigen Grauabstufungen. Hier drin ist Licht spärlich vorhanden, der Raum ist nicht völlig erfahrbar.

Die fröhlich farbigen weichen Latexformen zeigen dagegen die Innenform der Kuben. Sie offerieren Einblick; Farbe verbindet sich hier mit Transparenz und Licht. In ihrer hautartigen Materialität bilden sie das Endoderm, die Haut in unserem Inneren.

Das gebrannte Tonobjekt setzt die kühle Negativform des kantigen, weissen Kubus in weiche erdige Linien um mit aufgeworfenen Ausbuchtungen, wo der Kubus Öffnungen anbot.

Die ockerfarbige Latexhaut ist ein Echo von Masse und Raum.
   
  Interior
   
  Die Objekte kombinieren Kuben und Kugelformen in interaktive Skulpturen mit einladenden Öffnungen, welche das Publikum visuell in einen verborgenen Innenraum locken. Jeder Kubus ist eine modifizierte geometrische Form - nicht mathematisch exakt sondern lebendig bewegt - mit geschwungenen Linien und Flächen. Die Öffnungen im Kubus erhaschen die Aufmerksamkeit der Betrachter: mit ihrer ungewohnten, auch Comics-artigen Erscheinung locken sie den Blick ins Innere und verbinden so aussen mit innen. Die Innenräume bestehen aus zusammenhängenden Systemen von Kammern und stehen als organischer Kontrast zur äusseren Form.

Kaum hat man sich getraut einen Blick ins Innere des Objektes zu werfen, geschieht die Verwandlung: der gebaute Raum, viel zu klein um hineinzusteigen, wird quasi real. Der visuelle Besuch wird zur Entdeckungsreise, zum Erlebnis eines unbekannten Ortes, das Auge erwandert eine versteckte überraschende Welt.

Wie in urzeitlichen ausgemalten Höhlen wartet auf die Besucher auch in den INTERIOR-Objekten eine Belohnung, hier in Form von Licht. Es dringt durch die Seitengänge in die Kammern oder leuchtet durch Mosaiken aus Glas-Porzellan, die in die Wände eingelassen sind.

Mein neu entwickeltes Glas-Porzellan filtert gleichförmiges Tages- oder Kunstlicht in ein Muster von Lichtpunkten, wie Sterne am Nachthimmel. Indem ich Glas in verschiedener Körnung verwende, kann ich mit Licht "malen". Die leuchtenden Ornamente im dunklen Innenraum belohnen Besucher, welche sich Zeit nahmen zur "Wanderung", um Unbekanntem zu begegnen. Die Erfahrung ist erfrischend.
   
  Wandobjekte
   
  Die Wandobjekte enthalten eine Miniatur-Theaterszenerie, deren Öffnung zur "Bühne" für unsere Sinnesportale steht. Die farbigen "Kulissen" sind inspiriert von akkustischen, visuellen, olfaktorischen und gustatorischen Impressionen und befassen sich auch damit, was in unserem Innern mit diesen Eindrücken geschieht.
   
  Exterior
   
  Mit den Barbie- und "Venus" von Willendorf-Figuren habe ich die passenden Symbole für meine Arbeit gefunden, die sich um Schönheitshysterie und Modediktat dreht. Schon der formale Kontrast zwischen diesen zwei Ikonen fasziniert mich. In den Objekten stehen die Figuren aber auch für weltanschauliche und historische Inhalte.

"Mantelpiece" und "Marilyn" sind in Schichten aus Figuren aufgebaut; das Wort wie die Technik beziehen sich auf "Geschichte". Projizierte Bilder bilden eine zusätzliche Schicht, die erhellend ein anderes Licht auf die Situation wirft.
   
  Figur
   
  Meine Frauenfiguren agieren und reagieren in einer immer noch stark von männlicher Sichtweise definierten Welt; sie drücken mittels Körperhaltung und Mimik ihre Befindlichkeit darin aus. Konkreten Anstoss zum jeweils umgesetzten Thema geben meine eigene Geschichte, mein tägliches Erleben oder auch Presseartikel. Wichtige Themen sind Schönheits- und Modekult ("Barbiekiller"), wie Frauen sich selbst erleben ("Liebesschleuder") oder die Reflexion von Gesellschaftsnormen ("Kein Halt").

Bewusst gestalte ich Frauen, die nicht dem "Schönheitsideal" entsprechen: sie sind "gewichtig", rundlich, gerundet, aber nicht einfach behäbig-selbstzufrieden.

Die Figuren sind "mixed media" auf verschiedenen Sockeln montiert.
   
  Gefäss
   
  Meine Gefässe sind zum Gebrauchen und Spass dran haben.

Die Schale, Vase, der Becher oder Krug heben sich durch ihre unverwechselbare Individualität ab von industriell gefertigter Massenware:
  - der Charakter des Materials ist erlebbar. Kanten werden nicht geschnitten sondern gebrochen. Sie zeigen so das Erdig-Rauhe der schamottierten Masse.
  - die Architektur der Form bleibt nachvollziehbar, da jede Naht sichtbar ist.
  - auf jedem Stück ist ein spezielles Thema malerisch/zeichnerisch direkt umgesetzt.
  Das gewählte Thema ist in varianten-reicher Pinselmalerei und/oder Scraffito frisch umgesetzt. Die Gruppe wirkt trotz verschiedener Grössen, Farben, Dekor einheitlich. Dabei hilft die schlichte Form und die harmonische Farbigkeit.

Wichtig sind mir satte Farben, die sich leuchtend vom Weiss des Porzellans abheben, Pinselmalerei in Reservetechnik mit Latex: die Farben werden als Engoben deckend aufgetragen. Nach dem Entfernen der Latexspuren, respektive dem Zeichnen der Scraffito-Linien, hat die Oberfläche eine Relief-Struktur.


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